Sind Sie sich heute schon begegnet? -

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30
Jan

Sind Sie sich heute schon begegnet?

Erfahrungen machen heißt, etwas dazu lernen. Wirkliches Lernen finden erst dann statt, wenn wir später in Gedanken das Erlebte noch einmal bewusst verarbeiten.

Wann nehmen wir uns soviel Zeit zur Auseinandersetzung mit uns selbst? – Meine Antwort darauf ist: beim Schreiben. Das Denken verlangsamt sich, auch leise Töne können innerlich gehört werden, wir wenden uns den eigenen inneren Prozessen zu, kommen bei uns selbst an und können uns bewusst selbst begegnen.

Ich persönlich erlebe tägliches Schreiben als absolut befreiend in einem Sinne, dass ich mich immer wieder mit mir selbst verbinde. Wir wissen: Man lernt nur diejenigen Menschen wirklich gut kennen, denen man intensiv zuhört. Mit dieser Einstellung kann ich mir selbst begegnen. Ich kann “die Freundin” sein, die mir liebevoll, kritisch, zugewandt und unterstützend begegnet. In meinem Tagebuch kann ich Schönes, Sorgenvolles, Vergangenes und Zukünftiges ausbreiten. Ich kann Ideen spinnen, Gefühle zeigen, Verrücktes äußern oder Schwieriges planen – ALLES kann ich meinem Tagebuch anvertrauen.

Wir können praktisch jeden Lern- und Entwicklungsprozess mit einem Tagebuch sinnvoll begleiten. Wir schreiben uns etwas von der Seele und nehmen etwas von der Belastung weg. Was für uns persönlich wichtig ist, schreiben wir auf, machen es uns bewusst und geben ihm so einen neuen Stellenwert. Es ist nicht mehr flüchtig und steht uns auch zukünftig bewusster zur Verfügung, weil wir uns näher damit beschäftigt haben. Wir nehmen uns Zeit, Fragen zu klären und etwas auszuformulieren. Wir entwickeln Lösungsideen, fassen Mut und unterstützen uns selbst. Wir übergehen Gefühle nicht, sondern nehmen sie ernst und arbeiten sie ab. Auch Ideen sind hier gut aufgehoben, können wir sie doch jederzeit nachlesen und wieder aufgreifen. Mit einem Tagebuch sammeln und schaffen wir Erinnerungen.

Niemand zieht uns zur Verantwortung, wir sind niemandem Rechenschaft schuldig. Die Privatsphäre eines Tagebuchs ist einzigartig. Sie erlaubt eine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber, die wir im “öffentlichen” Leben kaum zulassen.

Ich nutze mein Tagebuch zur Planung ebenso wie zur Rückschau, zum Aufschreiben meiner Visionen aber auch einfach nur zum Nachdenken. Ist erst einmal ein Anfang gemacht, fließen die Worte fast von alleine aufs Papier. Der für mich wichtigste Effekt: Beim Schreiben zentriere ich mich – mitten in meinem Leben.

Was sind Ihre Erfahrungen beim Schreiben? Haben Sie Fragen?
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4 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Beatrice Floh schreibt:

    Liebe Frau Quirmbach, bin Ihrer wunderbaren Homepage im Internet begegnet und konnte mich gar nicht mehr trennen. Habe dann auch gleich meinen liebsten Freundinnen passende e-cards-geschickt. Mich haben solche Affirmationen immer schon fasziniert, bin aber wohl vielleicht ein bißchen zu “ungläubig”, um mich ganz darauf einzulassen. So ist es wohl auch mit dem Tagebuchschreiben, wenn ich darüber lese, bin ich total begeistert, kaufe mir dann auch noch ein schönes Buch und vielleicht auch einen tollen Stift, aber dann … komme ich nicht ins Tun. Über die Ursachen habe ich schon viel nachgedacht – was hemmt mich, mein übergroßer Perfektionismus? Vielleicht haben Sie ja einen Tipp für mich. Ganz herzliche Grüße und ein großes Dankeschön für die wunderbare Homepage. Herzliche Grüße aus Wien Beatrice Floh

  2. wernher schreibt:

    Also, ich kann diesem Artikel nur voll und ganz beipflichten, denn seit gut einem Monat führe ich fast täglich manchmal auch zweimal am Tag mein Tagebuch und ich muss sagen ich fühle mich nach dem ich in meinem Tagebuch alles reingeschrieben habe, einfach gelöst und entspannt, ich habe mir meine Gedanken von der Seele geschrieben, ja sicher, wenn ich Probleme habe oder vor schwierigen Entscheidungen stehe, werden sie durch das Schreiben auch nicht so einfach gelöst, aber wenn ich sie ins Tagebuch schreibe muss ich mich wieder konzentriert damit befassen und dabei fallen mir oft Lösungen ein die mir sonst nicht so leicht einfallen würden weil ich ja den Kopf immer voller Gedanken habe und das Tagebuch hilft mir meinen Kopf wieder frei zu bekommemn, wieder Platz zu schaffen für neues.
    Also ich kann mit bestem Gewissen dass Tagebuch schreiben nur empfehlen.
    wernher

  3. wernher schreibt:

    So, hier kommt noch ein kurzer Nachtrag zu meiner Antwort: also ich führe seit 22.12.2009 tagebuch und ich muss ehrlich gestehen, ich kam mir anfangs ziemlich blöd vor, ich als ein gestandenes Mannsbild von 50 Jahren schreibe Tagebuch, das ist doch nur was für Frauen und Mädchen
    aber doch nicht für mich als Mann, ich habe auch am Anfang nur ein paar Zeilen geschrieben, ich bin mir vorgekommen wie ein Weichei, wenn ich so meine ersten Zeilen durchlese, muss ich heute noch lachen.Aber mittlerweile habe ich den nutzen vom Tagebuchschreiben voll erkannt und ich genieße die Zeit des Schreibens wo ich vollkommen eins mit mir selbst bin, ich habe Zeit mich mit mir zu befaßen und mich meinen Gefühlen zu stellen und sie auch zuzulassen. Also, ich muss ehrlich gestehen, es ist eine tolle Sache, sich selbt zu stellen. Ich kann es wirklich nur weiterempfehlen, sollte meine frau mein Tagebuch lesen so ist es mir auch Recht, ich habe damit keine Prolbeme, sie kann nur davon profitieren, denn sie kommt darin auch vor. Wir reden zwar über alles offen und ehrlich nur hört sie mir manchmal einfach nicht zu. So dass wollte ich noch dazuschreiben.
    wernher

  4. Rita schreibt:

    Ich habe auch immer Probleme gehabt, eine feste Zeit für ein Tagebuch zu finden. Wollte immer abends schreiben, aber dann hatte ich keine Zeit, war zu müde und.. und..Dann habe ich ein Buch über kreatives Schreiben gelesen. Darin stand, man soll “Morgenseiten” schreiben. Direkt nach dem Aufstehen, dann sind die Gedanken noch ziemlich unzensiert. Ich mache das jetzt schon – mit kurzen Unterbrechungen – seit 2 Jahren und muss sagen, dass es mir absolut gut tut. Es ist ein Ritual geworden, das mich gerne aufstehen lässt. Ich mache Kerzen an, stelle mir einen Kaffee hin, und dann geht es los.

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