30
Aug
Bewegung und Wandlung
„Alles bewegt sich auf dieser Welt und ist einer ständigen Wandlung unterworfen.“
Der Dalai Lama spricht eine Wahrheit aus, die wir alle kennen: Leben heißt sich verändern.
Entwicklung ist unweigerlich mit Veränderung verbunden. Wir wollen uns verändern, wollen vorwärts kommen und haben Ziele. Wir sind ständig auf der Suche nach Erfolg, nach Liebe, nach Erfüllung, nach Selbstverwirklichung, nach Abwechslung – eine endlose Kette von Suchen, Finden, Loslassen und Sich-erneut-auf-die-Suche-begeben. Wir “werden” von innen heraus bewegt. Weil wir lebendig sind, wachsen wir und verändern uns stets weiter.
Der Rhythmus kontinuierlichen Wandels entspricht der menschlichen Natur. Und doch gibt es eine starke gegenläufige Kraft, die das Beständige sucht. Das verbinden wir mit Sicherheit und planen so, als könnten wir die Zukunft vorhersagen oder erwünschte Lebensumstände festschreiben. Obwohl dies eine Illusion sein mag, macht sie uns stark und gibt uns die Kraft, im Prozess aller Veränderungen unsere Ziele und Wünsche nicht aus den Augen zu verlieren. Um auch unerwartete Bewegung und Wandlung einzubeziehen, ist Flexibilität hilfreich. Akzeptieren wir die veränderte Situation, können wir neue Ideen entwickeln und unseren Weg fortsetzen.
Wandlung schließt immer wieder neue Abschiede ein. Etwas geht zu Ende, etwas Neues beginnt. Loslassen, zulassen, sich einlassen. Ich empfinde es als entspannend, mir die Stufen Abschied, Akzeptanz und Neubeginn bewusst zu machen und die Gefühle wahrzunehmen, die damit verbunden sind. Diese können angenehm oder unangenehm sein – doch ganz unabhängig von der persönlichen Einschätzung ist es, wie es ist: Alles ist vergänglich.
Über die Kunst von Andy Goldsworthy, einem bedeutenden Naturkünstler der Gegenwart, kann ich dem Thema Vergänglichkeit, das sonst meist mit Angst und Unsicherheit verbunden ist, neu begegnen. Seine Arbeit bezieht mit ein, dass Kunst vergänglich ist. Ich finde, das verleiht ihr etwas Unbeschwertes und beim Betrachten seiner Werke erlebe ich diesen Aspekt als inspirierend.
Andy Goldsworthy arbeitet mit den Elementen und Materialien der Natur – und findet sich selbst darin, so sagt er. Mich faszinieren die Ergebnisse seiner sehr persönlichen Auseinandersetzung. An dem Punkt, an dem das Werk am lebendigsten ist, macht er eine Fotografie und hält im Bild fest, was aus dem Zusammenspiel mit der Natur entstanden ist. Dieser Punkt beinhaltet den ganzen Prozess: Die Natur inspiriert die Idee durch die Materialien, die sie an dem bestimmten Tag und dem ausgewählten Ort gerade zur Verfügung stellt, der Künstler lässt sich davon leiten, wählt Dinge aus, stellt sie zusammen, schafft das Werk und gibt es in dieser veränderten Form an die Natur zurück. Werden, Wachsen, Vergehen.
Was lösen Abschied und Wandel in Ihnen aus? Wie gehen Sie mit Veränderung um?
Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Kommentare.
Ihre
Konstanze Quirmbach
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Dienstag, 31 August, 2010 um 20:17
Für mich bedeutet Abschied und Wandel eine wunderbare Gelegenheit um Achtsamkeit um Jetzt zu üben/zu erleben/zu leben. Vielleicht einen Abschied auch die erste Gelegenheit zu nehmen, Achtsamkeit als wertvolles aber machtvolles Instrument kennenzulernen? Mir ging es jedenfalls vor kurzem so. gerade in Zeiten des Wandels, Loslassens, etwas verabschieden (zu müssen) denke ich, ist Achtsamkeit ein entscheidendes Mittel der Wahl, das in diesem Augenblick den Weg in die Zukunft zu weisen vermag. Die Wahlmöglichkeit zu haben, sich in den aktuellen Augenblick zu begeben, wo die Vergangenheit nicht mehr als solche existiert und die Zukunft schon gar nicht da ist. Hier, in diesem Moment zu entscheiden, wo ich sein will, wo ich tatsächlich auch bin. wie ich mich fühlen will. zu erkennen daß die vergangenheit als solche nie wirklich wichtig war, die eigene identität zu beeinflussen. wenn die eigene identität nicht abhängig ist von dem was im aussen ist,dann fehlt mir auch im moment, im jetzt nichts in mir. das war mein erster blogbeitrag, spontan geschrieben und ich hoffe, auch verständlich? viele grüße aus wien!johanna
Dienstag, 31 August, 2010 um 20:19
p:s.: danke danke danke für Ihre wunderbaren Newsletter, die jedesmal bei mir so eintreffen, als wären sie genau auf meine lebenssituation zugeschnitten
) das wollte ich Ihnen schon oft mitteilen, große freude!
Dienstag, 31 August, 2010 um 20:25
Liebe Johanna,
mit Ihrem Beitrag bereichern Sie das Thema um den Aspekt einer unabhängigen Identität: Nicht was geschieht, sondern wie wir uns entscheiden, es ins Leben zu integrieren bestimmt, wer und was wir sind.
Ich danke Ihnen sehr für Ihre Gedanken und auch für das positive Feedback zu meinen Newslettern. Das freut mich sehr!
Herzlichen Dank,
Konstanze Quirmbach
Donnerstag, 2 September, 2010 um 12:36
Ich habe heute im Spiritletter einen Text gefunden, den ich sehr passend finde und der diesen Beitrag perfekt ergänzt:
“In einer Welt der Wandlungen und der Veränderungen
gibt es keine Vollkommenheit.
Alles ist im Werden, kein Mitmensch ist perfekt.
Wenn wir das erkennen,
werden wir niemanden überfordern.
Beginne in kleinen Schritten,
deine Liebe zu vervollkommnen.
Wir kennen die Richtung, den Weg und das Ziel.”
Nach: Udana 51 (Sammlung buddhistischer Aphorismen)
Samstag, 2 Oktober, 2010 um 17:42
Ein Hallo an alle, die meine Gedanken lesen möchten.
Was mir zum Newsletter „Bewegung und Wandlung“ einfiel – ich teile es einfach mal in diesem Blog mit allen, die sich angesprochen fühlen und die ich auf diesem Wege erreiche.
Also, wenn Sie möchten, dann lesen Sie einfach.
Vielleicht sind wir einer Meinung, vielleicht ist etwas für Sie neu und vielleicht widersprechen Sie auch – alles ist halt in Bewegung und Wandlung.
Hier sind meine Gedanken:
Alles ist möglich und das Leben ist ja ein Prozess mit soooooo vielen Veränderungen.
Jede Veränderung hat ihr eigenes Gesicht, ihre eigene Tiefe, ihren Rhythmus und Schwung – ist so individuell wie Menschen es sind.
Das Wort aus Ihrem letzten Newsletter hat für mich Faszination.
Ich verbinde es mit riesiger Kreativität, und es hat einen hohen Stellenwert für mich, denn für mich geht es mit den Begriffen um vielfältigen Wandel und seine Möglichkeiten und mit absoluter Entwickung einher.
Es setzt bei mir einwandfrei den Begriff Lernen frei, das Einsetzen von Kraft,
um einer neuen Lebenslage, einer Aufgabe und Anforderung gerecht zu werden.
Es ist für mich Wechselbeziehung von Aktivität und gewisser Passivität,
von einem Selbststeuern und Gesteuertwerden.
Diese Wechselwirkung verlangt einerseits von mir Änderung, andererseits aber auch Anpassung.
Es ist ein herrlicher und gewagter Spielraum für Strategien.
Für mich erwächst auch eine neue Reife daraus, um mit der Veränderung
im Leben umzugehen, ihr eine neue Qualität zu geben, durch sie eine neue Facette in meinem Leben zu erkennen, zu bejahen oder neu zu sehen.
Veränderung hat meiner Meinung nach zweifellos mit Charakter, Sichtweise, Einstellung zu tun.
Veränderung ist durchaus Lebensqualität, wenn sie gewollt ist und verlangt jede Menge Lebenskunst, wenn sie von anderen für mich gewollt ist.
Beides – Qualität und Kunst als Balance – ist ideal und setzt weitere neue Energien frei.
Und damit meine Zeilen vielleicht noch ein wenig intensiver wirken,
dachte ich mir, ich übersende zusätzlich noch Hermann Hesse mit seinem tiefsinnigen Gedicht “Stufen”
STUFEN
(von Hermann Hesse)
Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Mit einem Lächeln grüßt Claudia